Die Geschichte des Hochalpinen Instituts Ftan

1793 Gründung des Institut à Porta in Ftan, älteste Engadiner Privatschule

1794-1796Vorübergehende Verlegung der Schule nach Zuoz

1913 Bau des Hochalpinen Töchterinstituts Ftan aus dieser Bildungstradition

1976 Öffnung der Bildungsstätte auch für Knaben

1993 Neuer Name: Hochalpines Institut – Institut Otalpin Ftan

Wer war der Gründer des Instituts?

Andrea Rosius à Porta
Andrea Rosius à Porta

Andrea Rosius à Porta

 

Lehrer, Erzieher und Feldprediger
Andrea Rosius à Porta wurde 1754 als Sohn des Pfarrers Johann Rosius à Porta aus Ftan und der Anna Bonorand geboren. 1776 wurde er selbst als Pfarrer in die evangelisch-rätische Synode aufgenommen, ein Jahr später war er Italienischlehrer am Philanthropin in Marschlins. Nach der Schliessung dieser Schule übernahm er die Hauslehrerstelle bei der Familie Salis-Marschlins und betreute die beiden Söhne Rudolf und Carl Ulysses an der Militärakademie in Dijon. In den darauf folgenden 14 Jahren war Andrea Rosius à Porta Feldprediger im Bündner Regiment Anton von Salis-Marschlins in Frankreich. Ende 1792 kehrte er in die Heimat zurück und wurde in Ftan sesshaft.

 

Pädagoge und Institutsgründer
Am 1. Oktober 1793 wurde das Institut à Porta im Palazzi der Luisa Planta in Ftan eröffnet. In einer Darstellung über den Sinn dieser Schulgründung erwähnt à Porta, dass der Mangel an Lehranstalten für die wohlhabendere Jugend im Engadin ihn dazu gebracht habe, das Institut zu gründen. Der Zustand der meisten Schulen am Ende des 18. Jahrhunderts im Unterengadin war schlecht. In Ftan erteilten meist zwei Bauern den Unterricht, die über keine pädagogische Ausbildung verfügten und auch nicht kontrolliert wurden. Die bereits am Anfang grosse Schülerzahl zeigte, dass à Porta die Zeichen der Zeit richtig erkannt hatte. Auffällig ist besonders, dass er von Anfang an auch Mädchen als Schülerinnen aufnahm.

À Porta hat Pestalozzi persönlich gekannt und war von seinen pädagogischen Ansätzen beeinflusst. Sein liebenswürdiges und geduldiges Wesen und seine klare Vorstellung von Pädagogik bringt er in seinem Lehrmittel ’Il magister amiaivel’ (’Der freundliche Lehrer’, Luzein 1819) zum Ausdruck. So ruft er die Eltern und Lehrer auf, bei den Kindern vor allem den Intellekt zu fördern, um ihnen Freude am Lernen zu bereiten, und kritisiert gleichzeitig das reine Auswendigpauken und die Instrumente der strengen Disziplinierung. Er definiert in seinem Lehrmittel eine neue Methode der Erziehung und des Unterrichts, nämlich die Kinder mit Freundlichkeit, Geduld und Sanftmut zu behandeln. Didaktische Tipps helfen dem Lehrer den Unterricht lernfreundlich und pädagogisch geschickt zu gestalten. Auch die Eltern werden aufgefordert, mit ihren Kindern zu üben und zu singen, und sie sollten ihre Zöglinge nur dann zur Schule schicken, „wenn der Lehrer ein Mann von Güte und Verdienst ist“ (’Il magister amiaivel’, 1819:12).

 

Vom Institut zum Töchterinstitut
Nachdem 1794 der grösste Teil des Dorfes Ftan durch einen Brand zerstört worden war, hat man die Einrichtung vorübergehend nach Zuoz verlegt. Der Schulunterricht in Ftan konnte 1796 wieder aufgenommen werden. Nebst der sittlich-religiösen Orientierung des Unterrichts bildete das Erlernen von Sprachen einen besonderen Schwerpunkt. Bis 1829 leitete Andrea Rosius à Porta selbst sein Institut und übergab es dann seinen beiden Söhnen. Andrea Rosius à Porta verstarb 1838 in Ftan. Durch sein Lehrbuch und die Gründung der ersten Privatschule im Engadin hat er einen enorm wichtigen pädagogischen Grundstein für die Bildung in dieser Region gelegt. Aus dieser alten Bildungstradition entstand 1913, nachdem die Rhätische Bahn auch das Unterengadin erreicht hatte, das Hochalpine Töchterinstitut Fetan, 75 Meter höher gelegen und 500 Meter westlicher als der alte Palazzi im Dorf.